05.09.2010

Historie

1976

Während seines zweijährigen Auslandaufenthalts lernt Jochen Becker in Spanien einen Mitarbeiter des KANT KINO`S Berlin kennen. Dieser bietet ihm an, nach seiner Rückkehr im Kino zu arbeiten. Hierzu muss man wissen, dass das KANT KINO damals einer der Berliner Szenetreffs mit ausgewählten Filmen und vielen Live Auftritten internationaler Rockbands war, die die wichtigsten Strömungen der damaligen Rockmusik widerspiegelten.

 

Jochen Becker – selbst Hobby Musiker und kulturbegeistert -nimmt das Angebot an und jobt neben seinem Studium im Kino als Roadie und Plakatierer. Aufgrund der vielen Konzerte werden die zu klebenden Plakatmengen immer größer. Aber wo klebt man Plakate für möglichst wenig Geld?

 

Die Idee der Szenekneipen - und Bauzaunplakatierung entsteht

Mit seiner Frau Midori zieht Jochen Becker nachts durch die Berliner Szenekneipen, um dort die Plakate mit Tesakrepp anzubringen. Die Wirte finden die Idee gut, zudem die Plakate das aktuelle Kulturgeschehen widerspiegeln und die Gäste informieren.

 

Andere Kinos und Konzertveranstalter erfahren von der „Szenekneipentour“  und geben den Beckers  ebenfalls  ihre Plakate und Flyer mit auf den Weg. Dies ist die Geburt der professionellen Indoor-Plakatierung und Flyerverteilung. Aus 50 Kneipen werden später 600 Szenekneipen. Hinzu kommen Tagesstellen wie Universitäten, Bibliotheken, Vorverkaufskassen, Buchläden etc., die bis zum heutigen Tag alle wöchentlich angefahren werden. Die Masse an Flyern wird später geordnet in Displays ausgelegt.

 

Der Bedarf an professioneller Plakatierung wird in den 80er Jahren immer größer. Die Westberliner Kulturszene ist hochaktiv und  sucht aufgrund ihrer kleinen Werbeetats händeringend nach Möglichkeiten für preiswerte Plakatwerbung. Also beginnt das Ehepaar Becker, die Plakate an den Universitäten und an verfallenen Hauswänden jetzt auch außen zu plakatieren.

 

Es wird eine Firma gegründet mit dem Namen „JOMI-plak“ (von JOchen & MIdori). Mitarbeiter werden eingestellt. Es gibt keine ernsthaften Proteste gegen diese Form der Veranstaltungswerbung. Die Kunden sind zufrieden und die Berliner/Innen für die Kulturhinweise dankbar. Die Politiker tolerieren diese Form der „freien Kulturwerbung“, zudem West-Berlin mit seiner sehr speziellen politischen Situation am Leben erhalten werden muss und die Kultur schon aus diesem Grund von allen Seiten unterstützt wird.

 

Die Wende

 

Nach der Wende wird klar, dass Berlin als Hauptstadt nicht mehr in dieser Form beworben werden kann. Politiker und Medien rufen immer lauter nach einem „sauberen Berlin“. Auch andere haben inzwischen den „freien Plakataushang“ für sich entdeckt. Das Ganze wird immer unkontrollierter und damit unansehnlicher.

 

JOMI-plak muss sich besinnen und neue Wege gehen. Daher werden vormals ungemietete Hauswände angemietet und Verträge mit Bauzaunaufstellern geschlossen, deren Zäune  man bisher für einen Kasten Bier beklebte. Es werden Kooperationen und Verträge mit anderen  Plakatierfirmen geschlossen, sodass jetzt auch Säulen, U-Bahnhöfe, Tram Wartehallen und Großflächen ins Portofolio mit aufgenommen werden. Gespräche und juristische Kämpfe mit Bezirksämtern und dem Senat werden erfolgreich geführt, um u.A. das Problem der „Sondernutzungsgebühren für Werbung auf öffentlichem Straßenland“ zu klären. Veranstalter müssen davon überzeugt werden, dass Plakatwerbung zukünftig mehr kostet, da viele hochwertige Flächen eingekauft wurden für die neben der  Miete auch Gebühren an die Bezirksämter bezahlt werden.

 

Die vorliegende Website dokumentiert die Vielzahl von Werbeträgern, die JOMI-plak inzwischen bewirbt. Nach wie vor macht uns die Arbeit großen Spaß. Wir sehen weiterhin unsere Aufgabe darin, Berlin und der Kultur zu dienen und ihr auch in Zukunft preiswerte Werbeflächen anzubieten.